Der Orangenhandel zeichnet sich durch Phasen ungewöhnlicher Hektik und Preisschwankungen aus, gefolgt von Zeiten, in denen sich die Preise unter extrem geringen Umsätzen kaum von der Stelle bewegen. Er pflegt sehr empfindlich auf Nachrichten über ungünstige Witterungs- und Wuchsbedingungen in den führenden Erzeugergebieten zu reagieren. Die jeweiligen Börsenpreise für Orangensaftkonzentrat stellen eine wichtige Basis für die ganze Branche dar. Diese Preise definieren auch weitgehend, wie viel von einer Presserei für die gelieferten Orangen an den Bauern und die Bäuerin oder die Plantage gezahlt wird. Außer-dem bestimmen sie die Produktionskosten, in denen der Lohn für die PflückerInnen enthalten ist. Die schwankenden Weltmarktpreise wirken sich direkt auf die Einkommen und die Arbeitsbedingungen der PflückerInnen und Kleinbauernfamilien aus.

Die Orangensaftproduktion konzentriert sich zunehmend auf wenige multinationale Großbetriebe und KleinproduzentInnen haben immer weniger Chancen, sich am Weltmarkt zu behaupten. Auf den Großplantagen sind die Arbeitsbedingungen der PflückerInnen oft sehr schwer. Zu-dem verursachen riesige Monokulturen irreparable ökologische Schäden.
Brasilien
In Brasilien führt seit 2000 das Arbeitsministerium regelmäßige Kontrollen in der Landwirtschaft durch und die Regierung versucht, Kinderarbeit mittels eines Sozialprogramms zu bekämpfen. Viele Probleme sind jedoch geblieben – auch wenn die Kinderarbeit zurückgegangen ist und aufgrund der gewerkschaftlichen Arbeit mittlerweile mehr als die Hälfte der PflückerInnen offiziell als Arbeit-nehmerInnen registriert sind. Die andere Hälfte der inoffiziellen ArbeitnehmerInnen sind jedoch weder kranken-, noch renten- oder arbeitslosenversichert. Sie arbeiten zu Hungerlöhnen und meist im Akkord. Besonders fatal sind die gesundheitlichen Folgen, weil häufig Pestizide gesprüht werden, ohne dass die PflückerInnen vorher von den Plantagen geholt werden. Durch die geringe Lohnhöhe sind die ArbeiterInnen meist darauf angewiesen, dass ihre Kinder dazuverdienen. Das Problem der Kinderarbeit wird so, trotz der gesetzlichen Regulierung für die Arbeit bei der Orangenernte, nur in andere Branchen verdrängt, in denen die Kontrollen oder Gesetze weniger streng sind.
Fairer Handel
Für den Fairen Handel mit Saft-Früchten wie Orangen oder Mangos gelten Mindestpreise, die unabhängig von den Preisschwankungen auf den Märkten zu bezahlen sind. Sie decken die Produktionskosten ab, die unter menschenwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen durchschnittlich entstehen. Außerdem wird eine Prämie für Investitionen in die Infrastruktur, in Bildung, Gesundheit, ökologische Verbesserungen und Organisationsentwicklung bezahlt. (Quelle: www.fairtrade.at)
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Kaffee ist das wichtigste Agrargut im globalen Nord/Süd-Handel, nach Erdöl weltweit der zweitwichtigste Exportrohstoff. Über 25 Millionen Menschen sind weltweit mit Anbau, Verarbeitung und Handel von Kaffee beschäftigt. Das große Geschäft mit dem Kaffee wird jedoch vor allem im Rohstoffhandel gemacht. Mehrere multinationale Konzerne dominieren den Markt. Der Kaffee wird an der Börse gehandelt.

Seit dem Zusammenbruch des Kaffeeabkommens 1989 zwischen den kaffeeproduzierenden und -verbrauchenden Ländern haben die Preisschwankungen stark zugenommen. Seit 2002 steigt der Preis für Kaffee wieder, aber die ProduzentInnen bekommen einen immer geringer werdenden Anteil der weltweiten Einnahmen im Kaffeegeschäft. Als Ursachen werden Spekulationen und das vermehrte Auftreten von Billigproduzenten genannt. Besonders in Brasilien und Vietnam werden immer größere Kaffeeplantagen mit modernster Ausstattung aus dem Boden gestampft und die Kleinbauern und -bäuerinnen immer weiter verdrängt.

Hinzu kommt, dass Kaffeebauernfamilien auf dem konventionellen Markt oft weit weniger erhalten als die jeweilige Börsennotierung für Rohkaffee, da sie den Kaffee an Zwischenhändler zu miserablen Preisen verkaufen müssen. Den Kleinbauern und -bäuerinnen fehlt es an Mitsprache am Weltmarkt und an notwendigen Marktinformationen (z.B. über die globale Produktion und über das Konsumverhalten hinsichtlich biologischen Qualitätskaffees), um gegebenenfalls ihre Kaffeeproduktion nach Veränderungen ausrichten zu können.

Die soziale Lage der kleinbäuerlichen KaffeeproduzentInnen und die Auswirkungen, welche die Preisschwankungen auf sie haben, sind schon seit vielen Jahren Gegenstand des Fairen Handels.

(Quelle: www.fairtrade.at)