65 - Faire Woche 2015

WL-Aachen Bock

Als Ehrengast beim Neujahrsempfang Januar 2015 der Weltläden weilte Fritz Bock, der Geschäftsführer des Aachener Weltladens, in Eupen. Der gelernte Betriebswirt, der seit 18 Jahren dem Aachener Weltladen vorsteht, war vorher während elf Jahren als Landwirt im südamerikanischen Paraguay tätig und kennt von daher bestens die Situation in den Ländern des Südens.

 Seit vielen Jahren gibt es ein gutes Verhältnis zwischen den ostbelgischen Weltläden und dem Aachener Weltladen. "Wir hoffen, dass wir die guten Beziehungen noch weiter ausbauen können", erklärte Fritz Bock.

Der Weltladen Aachen zählt zurzeit 35 ehrenamtliche Mitarbeiter, darunter zahlreiche Studenten und Schüler, die im Rahmen des Unterrichts ein Praktikum im Weltladen absolvieren. Bei durchschnittlich 60 Kunden am Tag, mit steigender Tendenz, wurde der Jahresumsatz seit 2007 auf gut 200.000 Euro verdreifacht. Mit "Coffee to go" macht der Weltladen gute Erfahrungen, denn die Kunden können die verschiedenen Kaffeesorten vor Ort testen und erhalten gleichzeitig Informationen. "Auf die Bildungsarbeit durch enge Kontakte mit Schulen legen wir großen Wert", erläuterte der Geschäftsführer. Nicht wenige Schulklassen besuchen den Weltladen, um die Praxis kennen zu lernen. Mit 3000 Euro Monatsumsatz befinden sich zurzeit fünf "FAIR-o-maten" in verschiedenen Schulen, die Fairtrade Produkte verkaufen und von den Schülergruppen eigenständig betreut werden. In verschiedenen Stadtbezirken finden faire Frühstücke statt. Überdies hat sich die Stadt Aachen, die vor zwei Jahren "Fair-Trade-Stadt" geworden ist, dazu verpflichtet, fair gehandelte Produkte zu kaufen. "Der Aachener Oberbürgermeister setzt seinen Gästen inzwischen fair gehandelten Kaffee vor", freute sich Fritz Bock.

Im Gegensatz zu den fairen Produkten, die in Großkaufhäusern angeboten werden, erhält der Käufer im Weltladen Informationen zu den verschiedenen Produkten aus den Ländern des Südens, unterstrich der Gastredner. "Außerdem ist die Auswahl an fair gehandelten Produkten, insbesondere an Kunsthandwerk im Weltladen viel größer als im Supermarkt."

Der Überschuss aus dem Verkauf werde in verschiedene Projekte in der Dritten Welt und in die Infrastruktur des Weltladens investiert. Was die Weltläden aber vor allem anböten, sei ihre Glaubwürdigkeit, betonte er mit Blick auf verschiedene Fernsehsendungen, die sich kritisch mit dem Fairen Handel auseinandergesetzt haben. "Wir können nachweisen, dass der Lebensstandard eines Produzenten, der mit dem fairen Handel zusammenarbeitet, deutlich verbessert wird." Sollte diese Glaubwürdigkeit in Gefahr geraten, gerät der gesamte faire Handel in Misskredit. "Deshalb bemühen wir uns, das hohe Niveau an Glaubwürdigkeit zu halten, indem die Kriterien des fairen Handels auch ständig kontrolliert werden."